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Sichtkontrolle versus Ruma Marker-System

Verfahrenssicherheit und psychologische Belastung bei der Gewinnung von
Urinproben zur Drogenkontrolle: Eine Pilotstudie von K. Baum, M. Schüler-Springorum and B. Huppertz

Zweck: Die Drogenkontrolle mittels Urinproben gehört zum Standardverfahren in einem weiten thematischen Umfeld. Um Probenmanipulation durch den Probanden zu verhindern, werden die Proben fast immer unter Sichtkontrolle genommen. Allerdings erfolgt die Sichtkontrolle auf unterschiedliche Weise in verschiedenen Ländern und Umfeldern, was zu Abweichungen hinsichtlich Präzision führt. Darüber hinaus führt die Sichtkontrolle zu ernster psychologischer Belastung bei den Probengebern und - wahrscheinlich aber noch nicht bewertet - bei den Mitarbeitern, die die Sichtkontrolle durchführen. Eine alternative Kontrollmethode ist das Polyethylenglykol (PEG)-Urin-Marker-System, welches die Sichtkontrolle während der Urinabgabe unnötig macht.

Ziele: In der vorliegenden Studie haben wir mittels Fragebögen die folgenden Punkte evaluiert: a) das konkrete Verfahren der unter Sichtkontrolle durchgeführten Urinprobennahme in einer forensischen Psychiatrie und b) die Einschätzungen der die Sichtkontrolle durchführenden Mitarbeiter hinsichtlich der Aspekte Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und psychologischem Stress bezüglich Sichtkontrolle und Markerkontrolle.

Studiendesign: Deskriptive Querschnittstudie.

Studienort und Methode: 116 Mitarbeiter eines öffentlichen deutschen Therapiezentrums für forensische Therapie wurden dazu aufgefordert, zwei unterschiedliche, anonyme und geschlossene Fragebögen vor und nach einer dreimonatigen Einführungsphase des PEG-Marker-Systems auszufüllen. Der erste Fragebogen setzte den Fokus auf reale Durchführungs- und Sicherheitsaspekte der Sichtkontrolle, der zweite Fragebogen auf den Vergleich zwischen Sichtkontrolle und Marker-System.

Ergebnisse: Selbst innerhalb einer Einrichtung wird die Sichtkonrolle hinsichtlich Abstand zum Genital, direkter oder indirekter Sicht und Genauigkeit individuell unterschiedlich durchgeführt. Sichtkontrolle führt bei bei Patienten und Mitarbeitern zu ernstem psychologischem Stress. Für das Marker-System sind weniger Arbeitsstunden erforderlich.

Schlussfolgerung: Aus der Sicht der handelnden Kontrollpersonen verbessert das Marker-System die Drogenkontrolle auf allen Ebenen. Die Beschäftigten haben mehr Zeit, ihren eigentlichen Tätigkeiten nachzugehen, die Sicherheit gegenüber Manipulationen wird größer und die psychische Belastung wird auf beiden Seiten deutlich reduziert.